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Interview: “Die Räuber” - Freiheit und Freundschaft

Unsere Autorin Caroline Giles interviewt Regisseurin Carlotta Huys. 

Freiheit und Freundschaft: am 11./12./13. Mai fällt Schillers Räuberbande im Rationaltheater ein. Wir haben während den Proben mit Regisseurin Carlotta Huys über Kopfkino, Extremismus, ihre Liebe fürs Theater, und natürlich die Inszenierung von Schillers “Die Räuber” geplaudert.

Wer steckt eigentlich hinter der Produktion von “Die Räuber”? 

Carlotta: Mit meiner Dramaturgin Lena und meiner “Video-/und Regie-Frau” Melissa bin ich tatsächlich schon zur Schule gegangen. Wir waren seitdem wir elf sind wir zusammen der Theatergruppe und sind auch ansonsten wirklich eng befreundet. Als ich vor ungefähr ein und halb Jahren darauf gekommen bin “Die Räuber” aufzuführen, habe ich die beiden ständig mit dem Thema genervt – da war es schon klar, dass die beiden auf jeden Fall dabei sein müssen – auch weil wir drei uns ziemlich gut ausgleichen. Bei Lena und Melissa weiß ich einfach: da habe ich zwei Leute, auf die kann ich mich absolut verlassen!  Ach ja, meine Kostümbildnerin Nora kenne ich sogar noch länger! Wir kennen uns schon seitdem wir sieben Jahre alt sind. Und für die Licht-Regie ist Tim –  ebenfalls ein guter Freund von mir – zuständig. Der hat seine Ausbildung zum Veranstaltungstechniker an den Kammerspielen gemacht und hat sogar auch damals in der Schule “Die Räuber” gespielt – da muss er ungefähr 14 Jahre alt gewesen sein!

Was die Schauspieler angeht: eine der Schauspielerinnen ist eine gute Freundin von mir – der Rest kam relativ zufällig zusammen, auch weil ich lieber nicht mit Schauspieler arbeiten wollte, die ich schon zu gut kenne. Das hilft mir beim Arbeiten. Inzwischen ist dieser Anfang aber eigentlich schon wieder obsolet geworden, weil wir uns alle super verstehen und oft zusammen rumhängen. Aber es war trotzdem gut so, einfach um erst einmal reinzufinden. Und auch weil ich mir denke: “Das sind Leute, die können mich als Regisseurin einfach annehmen, eben weil sie mich nicht schon kannten, als ich dreizehn und hochpubertär war! (Carlotta lacht)

Wie bist Du zum Theatermachen gekommen?

Ich habe immer viel gelesen, dann in der Schule eben auch Theater gespielt. Irgendwann war das “Spielen” selbst dann aber gar nicht mehr so wichtig – ich habe mich dann eher durch die Texte gekämpft! Als wir zum Beispiel “Hamlet” aufgeführt haben, da saß ich dann mit einer Oxford-Ausgabe da und meinte nur immer wieder: ”Schaut, was hier alles drin steht! Diese Möglichkeiten!” (lacht) Ich habe dann am Volkstheater und am Nationaltheater Mannheim hospitiert. Das Theater war einfach immer mein “Medium der Wahl”!


Und was bedeuted das Theater für Dich?

Also ich bin ja eigentlich ein ganz großer Büchermensch! Am Theater fasziniert mich aber, dass man viele Menschen auf einmal mitnehmen kann und eine sofortige Reaktion hat. Dieser “Live-Moment” ist mir total wichtig. Das Theater kann Kopfkino lebendig machen – und ich finde es ganz toll, dass ich ein Team habe, das daran arbeitet, das was ich mir ausgedacht habe jetzt zum Leben zu erwecken. Ich denke, dass das Theater das Potential hat die meisten Menschen abzuholen, auch wenn das im Moment noch nicht klappt – das Publikum ist in den meisten Theatern leider nicht wirklich divers. Ich hoffe aber, dass sich das irgendwann ändert, denn ich bin mir sicher, dass das Theater das eigentlich kann – viele verschiedene Leute abholen und zusammen bringen.

Warum hast Du dich dafür entschieden “Die Räuber” an der Studiobühne zu inszenieren? Was macht “Die Räuber” so spannend?

Also ganz blöd gesagt: “Die Räuber” ist mein Lieblingsstück, seitdem ich 14 bin. Als ich mir dann ernsthafter überlegt habe eine Produktion an der Studiobühne zu machen, war für mich irgendwie irgendwie klar: “Komm, dann mach doch jetzt “Die Räuber”! Fang ganz klein an – mit Schiller!” (lacht) Als ich mich dann nochmal in das Stück reingelesen habe, hatte ich plötzlich einen ganz anderen Blick für die Materie. Vor allem die Perspektive der Räuberbande hat mich unheimlich fasziniert, weil ich das Gefühl habe, dass sich viele Inszenierungen vor allem um die beiden Brüder – Franz un Karl – drehen, die ja gegenüber gestellt werden. Wir haben hingegen die komplette “Franz-Handlung” weil wir die Bande in den Vordergrund rücken wollte.

Eine Gruppe von völlig unterschiedlichen jungen Menschen, die zum Teil priviligiert sind, zum Teil aber auch nicht. Manche von ihnen studieren, manchen nicht. Diese Menschen finden sich aus den unterschiedlichsten Gründen zusammen: Lust an der Gewalt, Wille zum Umsturz, Machtbestreben, Unfreiheit, Angst, Zugehörigkeit, Gier, Einsamkeit – der Fixpunkt ist immer Karl. Und genau in Karl habe ich diesen Wunsch verankert gesehen, den ich auch bei mir und vielen anderen Leuten in meiner Generation sehe: der Wunsch nach Freiheit und Sicherheit.

Das sind für mich zwei Begriffe, die ganz eng miteinander verknüpft, denn nur wenn man sich sicher in etwas ist, ist man wirklich frei. Aber heute gibt es diese keine einfachen Wahrheiten nicht mehr. Dieses Sicherheitsbedürfnis, dieses Freiheitsbedürfnis kann dazu führen, dass wir extrem werden – uns radikalisieren. Sei es auf politische oder religiöse Art und Weise. Vor der Produktion habe ich mich in einem Seminar auch sehr viel mit der RAF beschäftigt – diese Muster radikaler junger Menschen lassen sich in den verschiedensten Bewegungen finden.

“Die Räuber” - in fünf Worten zusammengefasst?

Puh! (lacht) Ich glaube, einige Schlagworte hatte ich ja schon genannt: Jugend, Freiheit...hmm. (überlegt) Na toll, jetzt fallen mir viel zu viele Wörter ein! (lacht) Freiheit, Angst, Sicherheit, Ideologie...und Karl?